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Begrenzte Klimawirksamkeit der Windkraftanlagen auf dem "Lammerskopf"

Windverhältnisse und unwegsames Gelände beeinflussen die Klimawirksamkeit maßgeblich

Der geplante Standort „Lammerskopf“ ist nach dem Windatlas Deutschland sowie ergänzenden Landes- und Fachdatensätzen – als Niedrigwindstandort einzuordnen. Damit ist die erwartete Stromproduktion bereits grundsätzlich begrenzt: Eine Auslastung von unter 20 % entspricht weniger als rund 1.750 Volllaststunden pro Jahr und liegt deutlich unter den Werten, die in Potenzialstudien für wirtschaftlich und energetisch günstigere Standorte angesetzt werden; das Umweltbundesamt nennt in einer bundesweiten Studie beispielsweise 2.440 Volllaststunden als mittleren Referenzwert und weist zugleich darauf hin, dass an Standorten mit unzureichenden Windverhältnissen eine Erschließung nicht wahrscheinlich sein kann.

Hinzu kommen standortspezifische Mehrbelastungen durch das steile Gelände, höhere Erschließungs-, Fundament-, Wege- und Netzanschlusskosten sowie mögliche Betriebsbeschränkungen aus Gründen des Artenschutzes. Fachpublikationen des Bundesamts für Naturschutz betonen insbesondere das Kollisionsrisiko für Fledermäuse und die Notwendigkeit wirksamer Schutzvorkehrungen.

Da Studien zur Ökobilanz zeigen, dass geringere Volllaststunden die CO₂-Bilanz pro erzeugter Kilowattstunde spürbar verschlechtern, ist die tatsächliche Klimawirkung des Vorhabens an diesem Standort nicht pauschal anzunehmen, sondern kritisch und standortbezogen zu prüfen und eher in Frage zu stellen.

Warum naturnahe Wälder wie der „Lammerskopf“ für den Klimaschutz besonders wichtig sind

Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff in Bäumen, Totholz, Wurzeln und Böden. Wenn Bäume wachsen, nehmen sie CO₂ aus der Atmosphäre auf und binden den darin enthaltenen Kohlenstoff langfristig in ihrer Biomasse. Besonders intakte, strukturreiche und naturnahe Wälder können diese Funktion zuverlässig erfüllen. Gleichzeitig macht die Bundeswaldinventur deutlich, dass ein geschädigter Wald durch überwiegendes Absterben zur CO2 Quelle wird.

Die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz zeigt sich deutlich in den Daten der Bundeswaldinventur 2022. Danach speichert der deutsche Wald im Durchschnitt rund 724 Tonnen CO₂ pro Hektar. Das ist mehr als doppelt so viel wie ein Ackerboden mit etwa 352 Tonnen CO₂ pro Hektar.

Umso wichtiger ist der Erhalt intakter Waldbestände. Deutschland verfügt insgesamt über rund 11,5 Millionen Hektar Waldfläche. Davon weisen laut Bundeswaldinventur jedoch nur 16 Prozent eine sehr naturnahe und weitere 22 Prozent eine naturnahe Baumartenzusammensetzung auf. Naturnahe Wälder sind damit keine Selbstverständlichkeit, sondern ein besonders schützenswerter Teil unserer Landschaft.

Die Windkraft-Planungsgebiete „Lammerskopf“ und „Weisser Stein / Hoher Nistler“ bestehen überwiegend aus Mischwäldern, in denen die Buche eine prägende Rolle spielt. Solche Wälder zeichnen sich häufig durch natürliche Verjüngung, standortgerechte Baumarten und ein vergleichsweise stabiles Waldinnenklima aus. Gerade Buchenwälder übernehmen, wenn sie geschlossen und strukturreich sind, eine wichtige Funktion für Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt.

Aktuelle forstwissenschaftliche Einschätzungen zeigen: Geschlossene, strukturreiche Buchenwälder sind unter heutigem Trockenstress häufig widerstandsfähiger als stark aufgelichtete Bestände. Ein geschlossenes Kronendach schützt das Waldinnenklima. Es reduziert direkte Sonneneinstrahlung, senkt Maximaltemperaturen, erhält eine höhere Luftfeuchtigkeit und verringert die Austrocknung des Oberbodens. Dadurch wird der Trockenstress für Bäume und Waldökosysteme gemildert. Starke Auflichtungen, großflächige Baumfällungen oder zu große Lücken im Kronendach können jedoch das Gegenteil bewirken: Sie verschlechtern das Mikroklima, erhöhen die Verdunstung und können den Trockenstress verstärken. Gerade in Zeiten zunehmender Hitze- und Dürreperioden ist daher ein behutsamer Umgang mit naturnahen Buchen- und Mischwäldern besonders wichtig.

Die Abholzung solcher Waldflächen würde nicht nur bestehende CO₂-Speicher verringern, sondern auch die künftige Fähigkeit des Waldes schwächen, CO₂ aufzunehmen. Naturnahe Wälder wie in den genannten Planungsgebieten sind deshalb nicht nur Erholungsräume und Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein bedeutender Bestandteil des natürlichen Klimaschutzes.

Quellen

  • Gessler, A.; Wilhelm, M.; Brun, P.; Zimmermann, N.; Rigling, A. (2024): „Zurück in die Zukunft – Ein neuer Blick auf die Perspektiven für die Buche nach 20 Jahren Forschung und weiter fortschreitendem Klimawandel.“ Allgemeine Forst- und Jagdzeitung 193(9–12), S. 206–224.
    Direktlink zum PDF: https://www.sauerlaender-verlag.com/download/05-gessler/?wpdmdl=3388
  • Fähser, Lutz: Das Lübecker Konzept der naturnahen Waldnutzung. In: Knapp, Klaus, Fähser: Der Holzweg, 2021, oekom Verlag, München

Geschützter Naturraum

BUND, NABU sowie die fachliche Stellungnahme von FrinaT für den GVV Schönau kritisieren das FFH-Verträglichkeitsgutachten zum „Lammerskopf“ als unvollständig und fachlich nicht ausreichend belastbar. Aus ihrer Sicht werden Risiken für streng geschützte Fledermausarten wie Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr unterschätzt. Bemängelt werden vor allem fehlende oder unzureichend dokumentierte Untersuchungen zu Vorkommen, Quartieren, Jagdgebieten, Flugrouten und Populationsgrößen sowie nicht nachvollziehbare Bewertungskriterien für geeignete Lebensräume.

Die Kritiker sehen zentrale Eingriffe wie Rodungen, Zuwegungen, Flächenverluste, Störungen und Kollisionsrisiken nicht ausreichend berücksichtigt. Besonders problematisch sei, dass große bewaldete Kuppenbereiche als vergleichsweise unkritisch bewertet würden, obwohl sie für geschützte Arten relevant sind.

Fazit der Quellen: Die Verträglichkeit des Vorhabens mit den Schutz- und Erhaltungszielen des FFH-Gebietes ist nicht sicher nachgewiesen; BUND und NABU fordern daher, den Lammerskopf nicht als Windvorranggebiet auszuweisen.

Links

Weitere Flächen sind rund um den Weissen Stein und Hohen Nistler ausgewiesen. Dieses Gebiet tangiert in Ziegelhausen den Kreuzgrund und den Mausbach und erstreckt sich bis nach Handschuhsheim zum Siebenmühlental. Zwischen Dossenheim, Schriesheim und Wilhelmsfeld umfasst es Landmarken, wie den Komfortwanderweg, den Dossenheimerkopfweg oder die Raue Buche bis hin zum Langen Kirschbaum.

Stimmen der Fachleute: Stellungnahme von Dr. Zvonimir Marelja (NABU Heidelberg)

Veröffentlicht als Leserbrief in der RNZ am 22.04.2026

NATUR ZÄHLT NICHT

Bundesumweltministerium sagt Nein, Umweltministerium Baden-Württemberg sagt Nein, Regierungspräsidium Karlsruhe sagt Nein, der VRRN sagt Nein, Naturschutzverbände sagen Nein, aber OB Würzner und große Teile des Gemeinderates sagen: Fragen wir trotzdem mal die Bürger. Genau das soll nun beim „Windpark“ Lammerskopf geschehen. Ausgerechnet in einem FFH-/Natura-2000-Gebiet! Man könnte fast meinen, Schutzgebiete gelten nur solange, bis sie wirtschaftlich interessant werden. Dabei sind die Vereinten Nationen und die Wissenschaft hier längst weiter als manche Kommunalpolitik. Seit Jahren betonen sie, daß Klima- und Artenschutz zusammen gedacht werden müssen. Intakte Wälder sind nicht das Hindernis der Energiewende, sondern ihre Voraussetzung: CO2-Speicher, Wasserspeicher, Kühlräume und Rückzugsorte für Arten, die ohnehin unter Druck stehen. Windkraft ja, aber bitte dort, wo Natur bereits vorbelastet ist. Nicht dort, wo per Bürgerentscheid legitimiert werden soll, ob Schutzgebiete noch Schutzgebiete sein sollen.